Bosch Energy and Building Solutions Global
Smart City
Paulo Ferreira

"Smart City ist keine Zukunftsvision, es gibt sie längst"

Paulo Ferreira, VP Projektleitung Cross Selling von Bosch, über alte Probleme und neue Lösungen

Paulo Ferreira

Mit vernetzter Technologie für lebenswerte urbane Räume: Bosch arbeitet mit 14 Metropolen an Smart City-Leitprojekten. Bosch-Projektleiter Paulo Ferreira über alte Probleme und neue Lösungen.

Der Begriff ‚Smart City’ ist in aller Munde. Warum ist es wichtig, Städte zu vernetzen und zu interaktiven Orten zu machen?

Weil die Urbanisierung eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist. Bis 2050 werden laut Vereinte Nationen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Alle 16 Monate überschreitet eine Metropole die Zehn-Millionen-Einwohner-Marke und gilt damit als Megacity. Diese Ballungszentren verbrauchen Unmengen an Wasser, Strom und Wärme, von den Verkehrs- und Müllproblemen ganz zu schweigen. Und das auf engstem Raum. Bis 2035 soll der weltweite Energiebedarf um 30 Prozent steigen, drei Viertel davon gehen dann auf das Konto der Städte.

Und smarte Städte sind die Lösung aller Probleme?

Es geht um urbane Räume, die die Lebensqualität langfristig verbessern sollen. Smarte Vernetzungslösungen helfen dabei, sei es durch neue Arten der Mobilität, Verbesserung der Luft, energieeffiziente Gebäudenutzung, mehr Sicherheit oder durch ein intelligentes Zuhause.

"Smart City ist keine Zukunftsvision, es gibt sie längst"

Welche Rolle spielt Bosch dabei?

Mit unserem breiten Portfolio an Produkten und Services und als Systemlieferant für Energie- und Gebäudetechnik können wir dazu beitragen, dass Städte gewissermaßen das Denken lernen. Das Internet der Dinge ermöglicht uns immer neue faszinierende Lösungen. Dass die eigenen vier Wände mit der Außenwelt verbunden sind, war nur der Anfang. Smart City ist keine Zukunftsvision, es gibt sie längst.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Aktuell arbeiten wir mit 14 Metropolen in Leitprojekten zu Smart City zusammen. In Kalifornien haben wir eine Straßenbeleuchtung implementiert, die nur bei Bedarf aktiv ist; bei 5.000 Laternen spart man in 15 Jahren bis zu sieben Millionen Euro. Mit der Stadt Ludwigsburg nahe Stuttgart testen wir gerade ein System, das den Pegelstand der Flüsse bei Hochwasser überwacht – dank Kameras, Sensoren und einer IT-Plattform zur Analyse der Daten. Und in Indien haben die Kollegen eine Lösung zur besseren Messung der Luftqualität entwickelt. Climo, kostengünstig und kompakt im Format, ist auf der CES 2018 in Las Vegas mit dem Innovation Award ausgezeichnet worden. Übrigens: Die Wüstenstadt investiert in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde US-Dollar in smarte Stadtentwicklung.

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Eine stolze Summe.

Ja, das relativiert sich aber, wenn man weiß, dass amerikanische Autofahrer pro Jahr rund 40 Stunden im Stau stehen. Dabei geht allein Kraftstoff im Wert von bis zu 120 Milliarden US-Dollar verloren.

Wie ist es mit dem Datenschutz, wenn Städte verstärkt Kameras und Bewegungsmelder einsetzen?

Wir verarbeiten, speichern und analysieren personenbezogene Daten nur, wenn der Kunde ausdrücklich zustimmt, und löschen sie auf Wunsch – oder nach einem definierten Zeitraum – auch wieder. Das Ziel ist: sicher, transparent und gesetzeskonform.

Das Problem ist, dass die Infrastruktur mit der wachsenden Zahl an Stadtbewohnern überfordert ist. Mehr Menschen heißt mehr Stau, weniger Parkplatze, auch eine höhere Kriminalitatsrate. Das Bedürfnis nach Sicherheit zuhause und in öffentlichen Einrichtungen steigt.

Zahlreiche Herausforderungen stellen sich den Bosch-Experten

Was bringt den Bürgern die wachsende Transparenz?

Eine Stadt, in der das Leben effizient, unkompliziert und angenehm gestaltet ist, ist einfach nutzerfreundlicher und lebenswerter; Stichwort: eGovernance. Estland oder Dänemark sind hier schon ziemlich weit. Die Realität ist leider oft so: Eine Pizza haben Sie – online bestellt – nach 15 Minuten in der Hand, aber als ich kürzlich einen neuen Ausweis beantragt hatte, saß ich eine Stunde auf dem Amt.

Irgendwann heiraten wir smart und lassen uns ebenso smart wieder scheiden?

(lacht) Das vielleicht nicht, aber nehmen Sie Themen wie Abfallentsorgung, multimodaler Transport, also die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, oder unser System Community Based Parking: Das Fahrzeug erkennt im Vorbeifahren eine Parklücke für sich oder andere Nutzer, die die Infos per Cloud bekommen. Ähnlich komfortabel wird die Müllabfuhr, da Tonnen bald von sich aus wissen, wann sie geleert werden müssen.

Smart City

Es geht also nicht nur um Neues, sondern auch darum, Bestehendes zu optimieren?

Genau. Mit der chinesischen Großstadt Tianjin ist eine Partnerschaft zur Implementierung unserer smarten Lösungen geplant. Dazu gehört unter anderem das virtuelle Kraftwerk, eine Software, die Energie aus verschiedenen, vorwiegend regenerativen Quellen zusammenfuhrt, speichert und bei Bedarf ins Netz einspeist. Die Folge sind deutlich reduzierte CO₂-Emissionen. Derzeit liegt der Anteil der Städte am weltweiten Stromverbrauch bei 75 Prozent.

Ein gewaltiges Potenzial, nicht nur für smoggeplagte Metropolen in Asien.

Langfristig lassen sich mit Smart City-Technologien, das heißt Sensoren, Software und Services, die Lebensqualität der Menschen im Urbanen erhöhen und gleichzeitig die Finanzen schonen. Durch vernetzte Lösungen steigt allein die Energieeffizienz von Städten binnen 20 Jahren um 30 Prozent.

Paulo Ferreira

ist Vice President Projektleitung für das weltweite Cross Selling und Smart Vertical Solutions bei Bosch. Der studierte Betriebswirt gehört dem Konzern seit 1992 an. Ferreira war in verschiedenen Führungspositionen tätig, unter anderem als General Manager für Bosch in Thailand. Nach Stationen in Europa, Südamerika und Asien begann der gebürtige Portugiese 2011 mit dem Aufbau des Bereichs Cross Selling, der unter anderem Smart-City-Technologien aus Energie- und Gebäudetechnik in die Planung von Großprojekten involviert.

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