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Bosch Energy and Building Solutions Deutschland
Interview

„Ohne Automation ist ein nachhaltiger Gebäudebetrieb überhaupt nicht möglich“

Prof. Uwe Rotermund

Prof. Uwe Rotermund lehrt an der FH Münster zu den Themen Immobilien-Lebenszyklus-Management und Facility Management und ist als Ingenieur und Berater tätig. Er beschäftigt sich täglich damit, wie die Gebäudeautomation künftig zur Vereinfachung von Lebens- und Arbeitsbedingungen beitragen kann und wie sie optimal genutzt wird.

Prof. Uwe Rotermund
In seiner Lehrtätigkeit und als Berater hat Prof. Uwe Rotermund täglich mit Gebäudeautomation in Theorie und Praxis zu tun.

Sie beschäftigen sich seit über 35 Jahren mit Gebäudeautomation. Hätten Sie in Ihrer Anfangszeit die rasante Entwicklung der letzten Jahre prognostiziert?

Mit einer schnellen Weiterentwicklung hatten wir damals schon gerechnet, gerade, weil die IT ja ordentlich Fahrt aufgenommen hatte. Aber die technologische Entwicklung der ganzen Bediengeräte und der neuen Kommunikationsformen hat uns dann doch überrascht. Die Möglichkeit, Anlagen mit einem Tablet, vor Ort oder von überall auf der Welt zu regeln, in Echtzeit Daten zu überwachen und auszuwerten – das ist einfach spektakulär und eine wirklich bahnbrechende Neuerung. Man kann mit Freude sagen: Was wir uns damals erträumt hatten, ist heute Realität.

Gebäudeautomation ist im Alltag angekommen. Was macht das Thema als Forschungsgegenstand so interessant und vor allem relevant?

Der gesamte Bereich der Betriebsoptimierung ist ein echtes Zukunftsthema und damit ein spannender Forschungsgegenstand. Aus meiner Perspektive müssen wir hier aufhören, kleinteilig zu denken und z.B. zu überlegen, ob die Wärmedämmung 1 cm dicker werden muss, um Energie zu sparen. Es geht viel mehr um die Frage, wie man die Potenziale der Automatisierungstechnologien voll ausschöpfen kann und diese in einen größeren Kontext stellt.
Wir beschäftigen uns außerdem intensiv mit der Fragestellung, wie ein richtiges und wirkungsvolles Betreibermodell aussieht. Denn: Die Gebäudeautomation ist ein sehr wichtiges Instrument der Betriebsführung. Die Automatisierung, die Steuerung und Regelung, das wird alles bereitgestellt – danach ist die Management-Ebene gefragt, um für eine saubere Nutzung aller Möglichkeiten zu sorgen.

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Der Forschungsgegenstand der Gebäudeautomation ist außerdem auch sehr kostengetrieben. Mit einem Benchmarking erheben wir kontinuierlich Immobiliennutzungskosten und verwalten dadurch die größte branchenübergreifende Datenbank für Gebäudenutzungskosten auf Vollkostenbasis in Deutschland. Und natürlich ist die finanzielle Seite ein Faktor, der Betreiber und Investoren stark umtreibt: Energiekosten, Betriebsführungskosten, Instandhaltungskosten, Automationskosten – das ist eine riesige Bandbreite an Kosten und hier kann an vielen Schrauben gedreht werden. Deswegen rechnen wir für Projekte in einem frühen Stadium schon sehr viel, ermitteln mögliche Soll-Größen und versuchen dann begleitend bereits im Bauvorhaben, diese Werte zu erreichen. Und das gelingt, wenn die Automation als Arbeitsmittel aktiv eingesetzt wird.

„Das große Potenzial mit allen seinen Funktionalitäten wird noch nicht vollumfänglich genutzt – und das sollte das Ziel sein.“

Stichwort Potenziale: Worin liegt die große Kraft der Automation?

Jeder nutzt ja beispielsweise Excel oder Numbers, deswegen nehme ich das gern als Vergleich: Wenn die Gebäudeautomation eine riesige Excel-Anwendung mit der Möglichkeit komplex programmierter Makros und Formeln ist, benutzen viele ihr „Gebäude-Excel“ doch nur als Taschenrechner. Das große Potenzial mit allen seinen Funktionalitäten wird noch nicht vollumfänglich genutzt – und das sollte das Ziel sein.

Wenn eine eigentlich vorhandene, komplexe Gebäudeautomation maximal als Störmeldezentrale genutzt wird, ist das natürlich nicht der Sinn der Sache. Hier sind Betreiber und Nutzer gefragt: Das eigene Facility Management oder externe Dienstleister brauchen klare Anweisungen und Forderungen, wie mit der Gebäudeautomation umzugehen ist, welche Daten und Reports gelesen werden und in passende Szenarien umgewandelt werden müssen. Das bedeutet auf Betreiberseite oft eine Entscheidung gegen den günstigsten Preis und für ein nachhaltig und energieeffizient betriebenes Gebäude. IT-Systeme für den Betrieb dürfen nicht unter alleiniger Betrachtung der Kosten während der Bauphase ausgewählt werden, da die Gebäudeautomation insbesondere auf den zukünftigen technischen Betrieb abgestimmt sein muss!

Letztlich ist der Einsatz von Gebäudeautomation Teil einer gesamtheitlichen Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens. Man legt Ziele fest, entscheidet, welche Daten erhoben und ausgewertet werden sollen und setzt dann entsprechende Technologien und Systeme dafür ein. Im besten Fall sind diese optimal miteinander vernetzt und als integrierte Lösungen im Einsatz. Elementar ist dabei: Digitalisierungsstrategie, IT und Organisation müssen miteinander verschmelzen, erst dann kann Gebäudeautomation volle Wirkung entfalten. Diese Strategie muss natürlich gegenüber den zuständigen Fachplanern vom Auftraggeber kommuniziert werden.

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Digitalisierung, Nachhaltigkeit und demografischer Wandel, – in welcher Verbindung stehen gesellschaftliche und technologische Megatrends mit der Gebäudeautomation?

Ohne Digitalisierung wären wir in der Gebäudeautomation nicht da, wo wir heute stehen. Aber auch Nachhaltigkeit steht für uns im Mittelpunkt: Ohne Automation ist ein nachhaltiger Gebäudebetrieb überhaupt nicht möglich. Ein sinnvolles und nutzenbezogenes Energiemanagement und dessen Optimierung, die Vermeidung von Schadstoffen, Anpassung an die Raumbelegung oder Präsenzmanagement – das sind alles Faktoren, die durch die Gebäudeautomation perfekt mit nachhaltigem Denken in Einklang gebracht werden können. Blickt man außerdem auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, unterstützt die Automation durch standortunabhängige Bedienelemente auch das Thema Home Office oder flexible Arbeitsplätze und –zeiten.

Prozesse und einzelne Arbeitsschritte werden durch die Automatisierung deutlich vereinfacht und verbessert. Wovon profitieren speziell Betreiber und Facility Management?

Der Nutzerkomfort in einem Gebäude verbessert sich enorm. Gebäude mit hohem Technisierungsgrad haben am Markt deutliche Vorteile und sind einfach attraktiver. Außerdem sind Daten das Gold der Zukunft und die Automation liefert enorme Datenmengen. Wenn man diese gezielt auswertet, sind hervorragende Optimierungsmöglichkeiten gegeben. Ein weiterer Pluspunkt: Die Umstellung der Instandhaltung verändert sich sehr. Normalerweise wird Gebäudetechnik einmal jährlich gewartet. Durch die Automation verändert sich auch das. Wir kennen das von Autos: Wenn ein Wagen nach einer gewissen Zeit oder einer Anzahl von gefahrenen Kilometern zum Service muss, wird das angezeigt und wir können reagieren. Auch Gebäude melden sich durch die Automation selbständig, wenn sie etwas brauchen. Dadurch werden die Wartungszyklen deutlich länger. Die Kombination von IoT-fähigen Geräten bereichert außerdem die Automation enorm und bietet im Facility Management ungeahnte Mehrwerte. Sprechende Kaffeemaschinen oder Beleuchtungssysteme in Kombination mit künstlicher Intelligenz – auch das sind Technologien, von denen wir vor 35 Jahren nur geträumt haben.

In der Gebäudeautomation liegen also viele Chancen, aber auch ein Risiko möchte ich gern erwähnen: Zergliedert man die Anlagen und Systeme zu sehr, zerstört man den Integrationseffekt. Wenn jeder Hersteller einzelne Cloudlösungen anbietet, muss man diese vernünftig zusammenschalten – ansonsten sorgen zu viele Wolken für ein Gewitter.

„Letztlich ist der Einsatz von Gebäudeautomation Teil einer gesamtheitlichen Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens.“

Welche Rolle wird die Gebäudeautomation künftig für die einzelnen Phasen des Immobilien-Lebenszyklus spielen?

Eine immens große Rolle: Einerseits, weil generell der Technisierungsgrad in Gebäuden immer weiter zunimmt, andererseits, weil der Technisierungsgrad mit dem Nutzungszweck sehr fein abzustimmen und klar abzugrenzen ist, je nachdem, ob der Nutzerkomfort oder die Technik im Fokus stehen.
Zudem hat sie starke Auswirkungen auf die Lebenszykluskosten. Welche Austauschzyklen müssen berücksichtigen werden, wie häufig müssen Anlagen saniert und modernisiert werden? Bei einer Gesamtlösung streben wir eine möglichst langfristige Kosteneffizienz an. 80% der Kosten eines Gebäudes entstehen ja erst im Betrieb und nicht bei der Errichtung. Wenn man also frühzeitig Gebäudeautomation einplant, hat man hier einen enormen wirtschaftlichen Hebel.

Bei der Inbetriebnahmephase eines Gebäudes sollte die Automation zur perfekten Regulierung und Ausrichtung der Anlagen auf die Betriebsbedingungen genutzt werden. Dabei ist die Gebäudeautomation das wesentliche Instrument und die Betreiber müssen im Zusammenwirken mit anderen Beteiligten die optimalen Betriebsstrategien finden und umsetzen. Dies wird nicht funktionieren, wenn man z.B. die Gebäudeautomation in einem maximalen Preiswettbewerb beschafft oder der Betreiber mit den Techniken nicht umgehen kann, bzw. dafür nicht qualifiziert ist. Mit einer „echten“ integralen Planung des Gebäudes und der Verzahnung mit dem Betreibermodell und Betriebskonzept kann man das erreichen. Dafür ist aber in Teilbereichen ein deutliches Umdenken unserer sehr kostengetriebenen Branche notwendig.

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Quelle: FM Benchmarking 2018

Wenn man als Betreiber oder Investor heute die Integration von Automatisierungssystemen plant, womit sollte man sich beschäftigen?

Zu allererst darüber: Gebäudeautomation muss richtig genutzt und bedient werden, sonst macht sie keinen Sinn! Auch als Störmeldezentrale ist sie falsch verstanden – sie ist ein Instrument zur Datenauswertung. Bei einer Marktbefragung im Rahmen des fm.benchmarking 2018 (www.fm-benchmarking.de) haben wir festgestellt, dass heute bereits 80-90 % der Befragten eine Gebäudeautomation im Einsatz haben. Fragt man dann aber konkret nach Funktionen und wie diese genutzt werden, sinkt die Quote bei Eigennutzern mit Gebäudeleitzentrale schon auf ca. 40-50 %, bei externen Dienstleistern sogar auf 10-30 %. – meines Erachtens eine sehr kritische Zahl, und ein Beweis für den vorhin erwähnten Taschenrechner.

Die volle Bandbreite ist also fast nie im Einsatz und vor allem die wertvolle Datenhistorie und Trendauswertung wird noch viel zu selten genutzt. Wenn man wissen will, wie das Nutzungsverhalten über den Tag ist, ob man Beleuchtung oder Klimatisierung früher abschalten könnte, gewinnt man hier großen Aufschluss und entdeckt wertvolle Einsparungspotenziale. Die Betriebsoptimierung gelingt nur dann, wenn man sich in einem ständigen Prozess mit den Daten und deren Ableitung auseinandersetzt.

 

Und worüber braucht man sich keine Sorgen zu machen?

Die Gebäudeautomation ist in der Handhabung nicht hochkompliziert, man braucht keine Berührungsängste zu haben und muss auch die Technologie im Schaltschrank nicht im Detail verstehen – dafür hat man ja kompetente Technik-Partner. Und wenn ich mir einen Blick in die nähere Zukunft erlauben darf: Die Home Automation legt bereits vor, was auch in kommerziell genutzten Gebäuden bald Standard werden wird: Die Steuerung der Gebäudeautomation wird immer offener und anwenderfreundlicher, außerdem erleichtern neue Kommunikationsmedien, z.B. Smart Watches, die Verzahnung mit dem Nutzer. Mit verbesserten Visualisierungen, einer hohe Flexibilität für den individuellen Bedarf und kundenangepasstem Engineering wird die Gebäudeautomation in Zukunft noch viel stärker eingesetzt werden und große wirtschaftliche Erfolge bringen.

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